
Im Gespräch mit Cornelia Berger, Produktmanagerin von DONAU.
Es war ein Neubeginn - für die Marke DONAU ebenso wie für Cornelia. Im Jahr 2016 übernahm die PBS Holding, zu der die Büro Handel GmbH gehört, die Markenrechte an DONAU. Kurz darauf übernahm Cornelia als Produktmanagerin das Ruder. Ihre Aufgabe: das Sortiment neu zu strukturieren und strategisch weiterzuentwickeln.
Mit ihrer Erfahrung im internationalen Import-Einkauf – unter anderem in der Beschaffung und Produktentwicklung für große Handelsketten – brachte sie genau jene Kompetenzen mit, die für den Ausbau und die Modernisierung der Marke entscheidend waren.
Wir starten gleich zurück in deine Anfangszeit. Wie sah das Sortiment damals aus?
Cornelia: Wir haben gemeinsam mit den Markenrechten auch einen gewissen Bestand übernommen, beispielsweise Pennale. Die Motive waren teilweise etwas überholt. Einer meiner ersten Schritte war die Zusammenarbeit mit einer Designerin, die früher schon für DONAU gearbeitet hatte. Ich war von Anfang an bei der Auswahl neuer Motive dabei, mit dem Ziel, das Image zu modernisieren und uns von alten Lizenzdesigns zu lösen – hin zu eigenen Designs mit Unterstützung unserer Grafik- und Designabteilung.
Was waren die größten Herausforderungen zu Beginn?
Cornelia: Da fallen mir vor allem Schultaschen ein. Schultaschen sind gar nicht so einfach - das ist ein komplexes Produkt mit vielen Sicherheits- und Konstruktionsanforderungen. Einmal hat ein Lieferant versehentlich zwei Designs kombiniert – unten ein mädchenhaftes Motiv, oben Fußball. Ein anderes Mal ließen sich die Brustgurte an einer Schultasche zwar schließen, aber nicht mehr öffnen. Nachdem es ein Produkt für ältere Kinder war, war es nicht so schlimm, wenn der Brustgurt fehlt. Daher haben wir uns entschieden, die Brustgurte gänzlich zu entfernen. Wir mussten das dann händisch im Lager machen, was ganz schön aufwendig war. Ich habe selber dabei mitgeholfen.
Wir haben aber aus diesen Dingen gelernt. Nun wissen wir: Fotos alleine reichen nicht. Wir bekommen mittlerweile oft von den Lieferanten Funktionsvideos, die uns zeigen, wie sich das Produkt beispielsweise öffnen und schließen lässt. So haben wir im Vorfeld mehr Kontrolle.
Wie positioniert man eine Marke neu, die so eine lange und traditionsreiche Geschichte mit sich trägt - vor allem in Österreich?
Cornelia: Auf Messen hören wir oft: „DONAU kenne ich von früher – ich wusste gar nicht, dass ihr heute so moderne Sachen habt!“ Manche sind überrascht, dass wir noch in Österreich ansässig sind. Überhaupt sehen wir, dass unseren Kund*innen wichtig ist, wo ein Unternehmen sitzt und wo produziert wird. Rund die Hälfte unserer Produktion findet in Europa statt, der Rest in Asien – je nach Produkt. Entwicklung und Design sind jedenfalls „Made in Austria“.
Diese Art von direktem Austausch mit Kund*innen muss sehr wertvoll sein.
Cornelia: Feedback ist für mich immer positiv! Gerade auch über den Kontakt auf unserer Webseite erreichen mich oft Nachrichten, die ich immer persönlich und sehr genau lese. Ich freue mich auch über Reklamationen, weil sie immer eine Chance sind, uns zu verbessern. Zum Beispiel hat sich einmal ein technischer Zeichner über ein Geodreieck beschwert, bei dem der Griff zu niedrig sei. Wir haben das geprüft und uns entschieden, den Vorschlag umzusetzen. Das wäre nicht entstanden, wenn der Kunde sich nicht gemeldet hätte. Ein weiteres gutes Beispiel ist der Ordner FLIP: das ist der erste Ordner, der sich um 360 Grad umklappen lässt, und die Idee stammte von einem Schüler, der sich bei uns gemeldet hat.
Wie entstehen denn generell neue Produkte?
Cornelia: Ganz unterschiedlich. Wir bringen Ideen von Messen aus Asien mit, beobachten europäische Trends oder Wettbewerber, und suchen dann nach den passenden Motiven. Auch die Ideen unserer Designerin Jana fließen oft mit ein. Bei unseren neuen Wachsmalkreiden hat sie zum Beispiel ihre eigenen Illustrationen verwendet: einen Bären für die wasserfeste, und einen Wal für die wasservermalbare Variante.
Bei den Schulartikeln beziehen wir besonders gerne auch Kinder mit ein. Unsere Motivordner sind ein gutes Beispiel: Wir wählen jedes Jahr einige Designs aus und verteilen sie dann an Kolleginnen oder auf Kindergeburtstagen. Als meine eigenen Kinder noch kleiner waren, habe ich sie auch oft der Lehrerin mitgegeben. So sammeln wir Feedback, welche Motive am besten bei der Zielgruppe ankommen. Und für die Kinder ist es dann natürlich auch aufregend, wenn sie später das fertige Produkt im Handel sehen.
Der Erfolg ist sicher nicht immer leicht abzuschätzen. Fallen dir Beispiele ein für Artikel, die dich überrascht haben?
Cornelia: Da weiß ich gleich einige. Eine Zeit lang waren Glitzer-Fasermaler sehr gefragt und wir waren uns sicher, dass auch unsere gut ankommen werden. Doch plötzlich war der Trend vorbei, und Gel-Schreiber waren angesagt. Solche Dinge kann man nicht vorhersagen oder beeinflussen. Manchmal hat man Glück, und manchmal eben nicht. Ein gegenteiliges Beispiel sind unsere Burger- und Toast-Notizbücher. Als ich sie vorgestellt habe, gab es sehr viel Skepsis und es war sehr schwierig, sie genehmigt zu bekommen. Als sie dann auf den Markt kamen, waren sie extrem erfolgreich.
Zum Schluss eine persönliche Frage: Hast du Lieblingsprodukte?
Cornelia: Ich verwende vor allem klassische Produkte. Der DONAU Collegeblock mit PP-Einband ist sehr robust und hat viele Seiten. Ich benutze ihn im kleinen A6 Format, wenn ich unterwegs bin, und A4 im Büro. Generell mag ich Notizbücher und Blöcke sehr gerne, weil ich immer noch gerne mit den Hand schreibe oder Skizzen mache. Und unsere Korrekturroller - als Macaron oder Pen - finde ich auch ziemlich cool.
Aber bei jedem einzelnen Produkt geht es mir um meinen persönlichen Anspruch: Es soll so sein, dass ich selbst zufrieden bin. Meine Standards sind sehr hoch. Nur Produkte, die ich auch selbst verwenden würde, kommen letztendlich ins Regal. Ich muss immer persönlich dahinter stehen können.
Das sind schöne Schlussworte. Danke für das spannende Interview!